Unfallursachenanalyse: Warum wurde den Technikern plötzlich schwindelig?
Drei Techniker arbeiten rund zwei Stunden in einem kleinen, fensterlosen Technikraum. Plötzlich leiden alle unter Schwindel und weiteren Symptomen – ein größerer Rettungseinsatz folgt. Die Unfallursachenanalyse zeigt, welche Ursache wahrscheinlich dahintersteckte und welche Maßnahmen der Arbeitgeber daraus ableitete.
Unfallursachenanalyse nach einem ungewöhnlichen Vorfall
Drei Techniker eines Unternehmens führten in einem betriebstechnischen Raum Wartungsarbeiten durch. Der Raum hatte keine Fenster und war auch nicht übermäßig groß. Aus Brandschutzgründen verfügt der Raum über eine dicht schließende Brandschutz- und Rauchabschlusstür, die während der Arbeiten geschlossen bleiben sollte.
Nach ca. zwei Stunden bekamen alle drei Personen ein Schwindelgefühl und weitere Symptome. Sie verließen den Raum und es kam zu einem größeren Rettungseinsatz.
Ein solcher Vorfall zieht eine Dokumentation nach § 6 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) nach sich. Die Ursachen des Unfalls sind zu ermitteln und Maßnahmen zur Vermeidung einer Wiederholung durch den Arbeitgeber festzulegen.
Was also hatte die Beschwerden der drei Techniker verursacht?
Aus der Praxis: Wir von KUECK Industries greifen gelegentlich Beispiele aus der Praxis auf. Damit wollen wir niemanden an den Pranger stellen oder vorführen, sondern Ihnen vielmehr Praxistipps geben und Erkenntnisse aus konkreten Situationen für den Arbeitsschutz aufzeigen.
Unfallursachenanalyse: Erster Verdacht auf Gefahrstoffaustritt
Welchen Verdacht hat man bei solchen Symptomen als erstes? Natürlich kommt man sofort auf den Gedanken, dass die Betroffenen einem Gefahrstoff ausgesetzt gewesen sein könnten, der diese auslöste.
Dafür gibt es im konkreten Fall jedoch keinen Beleg. Die Feuerwehr konnte keinen Gefahrstoff messen.
Damit stellte sich bei der Unfallursachenanalyse die entscheidende Frage: Was könnte die Beschwerden stattdessen ausgelöst haben?
Apollo 13 liefert einen Hinweis auf die wahrscheinlichste Unfallursache
Kennen Sie die Ereignisse rund um die Apollo-13-Mission im April 1970, verfilmt mit Tom Hanks in der Hauptrolle?
Bei dem erfolgreichen Fehlschlag verlor die Raumkapsel wesentliche Teile ihrer Sauerstoffversorgung. Dennoch würde der verbliebene Sauerstoff ausreichen, um zur Erde zurückzukehren.
Ein anderes Gas wurde jedoch zum Problem: Kohlendioxid (CO2) aus der Ausatemluft der Raumfahrer.
Je höher der Gehalt in der Luft ist, desto klarer die Symptome:
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Herzklopfen
- weitere körperliche Beschwerden
Genau wie die Raumfahrer 1970 befanden sich die drei Techniker in einer dicht geschlossenen Kapsel – in diesem Fall dem Technikraum.
CO2 im geschlossenen Raum als wahrscheinliche Unfallursache
Wenn drei erwachsene Menschen in einem kleinen Raum mittelschwere Arbeiten ausführen, ein- und ausatmen, dann lässt sich berechnen, wann der CO2-Gehalt im Raum so hoch ist, dass es zu Symptomen kommt.
Eine überschlägige Berechnung mithilfe von KI deutete darauf hin, dass unter den gegebenen Bedingungen nach etwa 1,5 bis 2 Stunden erste Symptome auftreten könnten.
Diese Berechnung deckt sich somit mit dem tatsächlichen Ereignis.
Es ist die wahrscheinlichste Unfallursache.
Welche Maßnahmen aus der Unfallursachenanalyse folgten
Mit dieser Erkenntnis hat der Arbeitgeber seine Gefährdungsbeurteilung anzupassen und wirksame Schutzmaßnahmen zu treffen.
Gemeinsam mit den Arbeitsschutzexperten von KUECK Industries wurde Folgendes festgelegt:
- Beim Umgang mit Gefahrstoffen muss vorher geprüft werden, ob ein Techniker alleine tätig werden darf oder immer mindestens zwei Techniker gemeinsam sich gegenseitig absichern müssen.
- Die technischen Arbeiten dürfen in kleinen und mittleren Räumen nur noch bei ausreichender Belüftung durch offene Türen oder Fenster bzw. technischer Belüftung durchgeführt werden. Dabei wurde sich an den Regelwerken für Arbeiten in Behältern und engen Räumen orientiert.
- Ist das nicht möglich, muss vor Aufnahme der Arbeiten Rücksprache mit dem Vorgesetzten und ggf. der Fachkraft für Arbeitssicherheit genommen werden.
- In dem Unternehmen wurden die Arbeits- und Betriebsanweisungen entsprechend angepasst und die Mitarbeiter unterwiesen.
Die Unfallursachenanalyse endet damit nicht bei der Frage, warum ein Ereignis eingetreten ist. Entscheidend ist ebenso, aus den Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen und eine Wiederholung zu vermeiden.
Fazit der Unfallursachenanalyse: Vor Arbeitsbeginn noch einmal nachdenken
Die Gefährdungsbeurteilung und gesunder Menschenverstand sind wichtige Bestandteile sicheren und gesunden Arbeitens.
Gut ist auch, vor Aufnahme der Tätigkeiten noch einmal kurz in sich zu gehen und sich folgende Fragen zu stellen:
- Habe ich alle Informationen, die ich für diese Arbeit benötige?
- Stehen mir alle dafür notwendigen Arbeitsmittel und PSA in geeigneter Weise zur Verfügung?
- Ergibt sich aus den Umgebungsbedingungen keine erkennbare Gefährdung?
- Fühle ich mich mit meiner Ausbildung, Kenntnissen und Erfahrung dazu in der Lage, die Arbeiten sicher auszuführen?
- Habe ich an alles gedacht und wurden alle notwendigen Schutzmaßnahmen getroffen?
Man nennt das eine LMRA (Last Minute Risk Analysis oder Last Minute Risk Assessment). Es handelt sich dabei um eine kurze, direkte Gefährdungsbeurteilung, die Beschäftigte unmittelbar vor Beginn einer Tätigkeit direkt am Arbeitsplatz durchführen.
➡️ Mehr zur LMRA: Wie diese kurze Sicherheitskontrolle funktioniert und welchen Nutzen sie bietet, erfahren Sie in unserem Beitrag „LMRA: In letzter Minute an die Arbeitssicherheit denken“.
Die drei Techniker haben den Vorfall ohne Schaden und mit gehörigem Schrecken überstanden. Der Arbeitgeber hat notwendige Konsequenzen gezogen und Maßnahmen getroffen. Dabei haben die Arbeitsschutzexperten von KUECK Industries unterstützt und beraten.
Haben Sie ähnliche Fälle aus der Praxis erlebt?
Manchmal sind es gerade konkrete Ereignisse aus dem Arbeitsalltag, aus denen sich wichtige Erkenntnisse für die Arbeitssicherheit ableiten lassen.
Haben Sie ähnliche Situationen bereits selbst erlebt? Dann teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne in den Kommentaren unter diesem Beitrag. Wir freuen uns auf den fachlichen Austausch.

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