Skip to main content

Sicherer Umgang mit Leitern: Was läuft hier verkehrt?

|

Ein falscher Schritt, eine unsichere Leiter oder ein Moment der Unachtsamkeit – und schon ist es passiert: Ein Sturz aus geringer Höhe kann schwerwiegende Folgen haben. Der sichere Umgang mit Leitern ist entscheidend, um solche Unfälle zu vermeiden. In unseren Social-Media-Profilen haben wir kürzlich ein Bild veröffentlicht, das viele Diskussionen ausgelöst hat. Kommentare reichten von „So ein Quatsch!“ über „Sitzend darf man doch an der Dachkante arbeiten“ bis hin zu „Das geht gar nicht“.

Diese Reaktionen nehmen wir zum Anlass, um das Thema sicherer Umgang mit Leitern und die Risiken von Absturzgefahren genauer zu beleuchten. Dabei betrachten wir drei zentrale Aspekte:

  • Arbeiten mit Absturzgefahren
  • Richtiger Umgang mit Anlegeleitern
  • Einsatz von Hubarbeitsbühnen

Sicherer Umgang mit Leitern bei Absturzgefahren

Entgegen der verbreiteten Meinung passieren die meisten Absturzunfälle nicht aus großer Höhe, sondern oft bereits bei geringen Fallhöhen. Laut BG BAU endeten 2018 rund 40 % dieser Abstürze mit dauerhafter Erwerbsunfähigkeit. Noch alarmierender: Die BAuA stellte bereits 2009 fest, dass in 70 % aller Absturzunfälle gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen wurde.

Ein weiteres Problem ist Selbstüberschätzung: „Ich mache das schon seit Jahren so, und es ist noch nie etwas passiert.“ Doch Abstürze können auch Profis treffen – ob aus stehender oder sitzender Position.

Laut der ASR A2.1 besteht eine Absturzgefahr bereits ab einer Höhe von 1,0 m. Im gezeigten Bild beträgt die Höhe zur Dachkante rund drei Meter, was eine konkrete Absturzgefahr bedeutet. Ohne eine ordnungsgemäße Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG hätten die Arbeiten so nicht aufgenommen werden dürfen.

Schutzmaßnahmen gegen Absturz

Die ASR A2.1 gibt eine klare Rangfolge für Schutzmaßnahmen vor:

  1. Technische Absturzsicherungen: Feststehende Geländer oder mobile Umwehrungen sollten erste Wahl sein.
  2. Auffangeinrichtungen: Schutznetze können als sekundäre Maßnahme dienen.
  3. Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA): Sollte erst als letzte Option zum Einsatz kommen.

Fehlen diese Schutzmaßnahmen, könnte der Arbeitgeber gegen § 4 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verstoßen. Ein Unfall wäre dann nicht nur tragisch für die betroffene Person, sondern hätte auch rechtliche und finanzielle Konsequenzen.


Sicherer Umgang mit Anlegeleitern

Für den sicheren Umgang mit Leitern ist es essenziell, die richtige Leiter auszuwählen. Handelt es sich um eine für den gewerblichen Gebrauch zugelassene Leiter? Darf sie als Anlegeleiter genutzt werden?

Richtige Platzierung und Nutzung

  • Die Leiter muss auf festem, ebenem und rutschfestem Untergrund stehen. Auf Sand, Erde oder Schotter droht Kippen oder Einsinken.
  • Soll die Leiter als Zugang zu einer höhergelegenen Arbeitsfläche genutzt werden, muss sie mindestens 1,00 m über die Kante hinausragen.
  • Die obersten drei Sprossen dürfen nicht betreten werden, da hier keine Stabilität mehr gegeben ist.

Wichtige Sicherheitsregeln

  • Anstellwinkel beachten: Die Regel „1 zu 4“ bedeutet, dass der Abstand zur Wand ein Viertel der Aufstellhöhe betragen sollte (ca. 75° Neigung).
  • Drei-Punkt-Regel: Immer mindestens eine Hand am Holm halten.
  • Seitliches Herauslehnen vermeiden, um das Kippen der Leiter zu verhindern.
  • Nie allein auf der Leiter arbeiten – im Notfall muss eine zweite Person eingreifen können.

Die BG BAU bietet hierzu eine umfassende Anleitung mit Bildern und Anwendungsbeispielen.


Einsatz von Hubarbeitsbühnen

Ein Kommentar unter unserem Social-Media-Beitrag lautete: „Er hätte ja die Arbeitsbühne unter der Plane benutzen können, aber wahrscheinlich konnte er damit nicht umgehen.“ Tatsächlich wäre die Nutzung der Hubarbeitsbühne in diesem Fall nicht zulässig gewesen, denn das Aussteigen aus dem Korb einer Hubarbeitsbühne ist grundsätzlich verboten.

Falls es unumgänglich ist, müssen im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung Sicherheitsmaßnahmen festgelegt werden. Hierzu gibt die DGUV Information 208-019 klare Richtlinien. Eine ausführliche Betrachtung zum Einsatz von Hubarbeitsbühnen finden Sie auch in unserem Blog aus Dezember 2024.


Sicherer Umgang mit Leitern – Fazit

Das gezeigte Bild zeigt zahlreiche Fehler im sicheren Umgang mit Leitern:

  • Die Leiter ist zu kurz und falsch angelegt.
  • Die Arbeiten finden in einer kritischen Absturzhöhe statt.
  • Wichtige Schutzmaßnahmen fehlen.

Hätte sich ein Unfall ereignet, wäre der Arbeitgeber wahrscheinlich strafrechtlich belangt und regresspflichtig geworden.

Mit einer fachgerechten Gefährdungsbeurteilung und der richtigen Auswahl von Schutzmaßnahmen hätten die Arbeiten sicher und rechtskonform durchgeführt werden können. Lassen Sie es nicht so weit kommen! Unsere Experten von KUECK Industries beraten Sie gerne zum sicheren Umgang mit Leitern und anderen Arbeitsschutzmaßnahmen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Comments (2)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert