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Online-Gefährdungsbeurteilung: Warum ein Tool allein nicht ausreicht

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©KI-generiertes Bild

Eine Online-Gefährdungsbeurteilung verspricht wenig Aufwand und schnelle Ergebnisse. Doch kann eine Software die tatsächlichen Arbeitsbedingungen im Unternehmen fachkundig beurteilen? Digitale Tools können den Arbeitsschutz sinnvoll unterstützen – die erforderliche Fachkunde und den Blick auf die betriebliche Realität ersetzen sie jedoch nicht.

Online-Gefährdungsbeurteilung: Software allein macht noch keine Gefährdungsbeurteilung

Online-Tools zur Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Zahlreiche Anbieter werben damit, dass sich Gefährdungsbeurteilungen innerhalb weniger Minuten erstellen lassen und Unternehmen dadurch Zeit, Personal und Kosten sparen.

Moderne Software kann den betrieblichen Arbeitsschutz tatsächlich erheblich unterstützen. Sie ersetzt jedoch nicht die gesetzlichen Anforderungen an die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung. Denn das Arbeitsschutzrecht verlangt nicht das Ausfüllen eines Formulars, sondern die fachkundige Beurteilung der tatsächlichen Arbeitsbedingungen.

Warum dieser Unterschied von entscheidender Bedeutung ist und welche Rolle Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte dabei spielen, zeigt dieser Beitrag.


Die Online-Gefährdungsbeurteilung ist mehr als ein Fragebogen

Die Gefährdungsbeurteilung bildet das zentrale Instrument des betrieblichen Arbeitsschutzes. Sie entscheidet darüber, ob Gefährdungen rechtzeitig erkannt, geeignete Schutzmaßnahmen festgelegt und Beschäftigte wirksam vor Unfällen und Gesundheitsgefahren geschützt werden.

Gerade deshalb hat der Gesetzgeber ihre Durchführung im Arbeitsschutzgesetz verbindlich vorgeschrieben.

§ 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet jeden Arbeitgeber dazu, die mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen zu ermitteln und zu beurteilen. Bereits die Formulierung macht deutlich, dass es sich dabei nicht um einen rein formalen Vorgang handelt. Das Gesetz verlangt ausdrücklich eine Bewertung der Arbeitsbedingungen.

Ziel ist es, die tatsächlichen Gefährdungen am konkreten Arbeitsplatz zu erkennen und daraus geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten.

Eine Gefährdungsbeurteilung entsteht deshalb nicht allein durch das Anklicken vorgegebener Antwortmöglichkeiten. Sie entsteht durch die sachkundige Bewertung der Arbeitsrealität.

Sie möchten wissen, wie eine Gefährdungsbeurteilung Schritt für Schritt abläuft? In unserem Beitrag zum Ablauf einer Gefährdungsbeurteilung erklären wir den Prozess ausführlich.


Online-Gefährdungsbeurteilung: Fachkunde ist eine zentrale Voraussetzung

In der öffentlichen Diskussion wird häufig darüber gesprochen, dass der Arbeitgeber für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung verantwortlich ist. Diese Aussage ist richtig, greift jedoch zu kurz. Ebenso wichtig ist die Frage, wer überhaupt in der Lage ist, eine Gefährdungsbeurteilung fachgerecht durchzuführen.

Das ArbSchG nennt hierfür zwar keine konkrete Berufsgruppe, fordert aber ausdrücklich eine geeignete Organisation des Arbeitsschutzes. Ergänzt wird dies durch das Arbeitssicherheitsgesetz sowie die DGUV Vorschrift 2.

Die DGUV Vorschrift 2 konkretisiert die Vorgaben des Arbeitssicherheitsgesetzes und regelt den Einsatz von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit.

Verordnungen wie die BetrSichV, GefStoffV, BioStoffV und ArbStättV verlangen darüber hinaus die fachkundige Durchführung der Gefährdungsbeurteilung. Wie sie diese Fachkunde verstehen, ist in den jeweiligen Technischen Regeln definiert. Onlineformulare mit vorgefertigten Checklisten kommen dort nicht vor.

Welche Fachkunde für eine Gefährdungsbeurteilung erforderlich sein kann

Diese Anforderungen bestehen nicht ohne Grund. Denn die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung erfordert umfangreiche Kenntnisse, unter anderem über:

  • das staatliche und berufsgenossenschaftliche Arbeitsschutzrecht,
  • Technische Regeln,
  • arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse,
  • einschlägige Normen,
  • Messverfahren,
  • ergonomische Zusammenhänge,
  • psychische Belastungen,
  • Gefahrstoffe und Biostoffe sowie
  • den betrieblichen Brandschutz.

Je nach Branche können darüber hinaus Spezialkenntnisse beispielsweise aus dem Explosionsschutz, dem Strahlenschutz oder der Maschinensicherheit erforderlich werden.

Nur wer diese Zusammenhänge kennt, kann beurteilen, welche Gefährdungen tatsächlich vorliegen und welche Maßnahmen dem Stand der Technik entsprechen.

Kann der Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung selbst erstellen?

Natürlich darf ein Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung grundsätzlich selbst durchführen. Voraussetzung ist allerdings, dass er selbst über die hierfür erforderliche Fachkunde verfügt. Fehlt diese, muss er sich fachkundig beraten lassen.

Genau hierfür sieht das deutsche Arbeitsschutzrecht die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte vor.

Ihre Aufgabe besteht nicht darin, Formulare auszufüllen. Vielmehr unterstützen sie den Arbeitgeber dabei,

  • Gefährdungen fachlich richtig zu erkennen,
  • geeignete Schutzmaßnahmen auszuwählen und
  • deren Wirksamkeit zu beurteilen.

Sie bringen die notwendige arbeitswissenschaftliche, sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Kompetenz in den Prozess ein.

Tipp von KUECK Industries: Sie und Ihre Beschäftigten wissen, was Sie wie, wo und womit machen. Wir von KUECK Industries kennen die Regelwerke und einschlägige Rechtsprechung sowie das Prüfhandeln der Unfallversicherungsträger und Aufsichtsbehörden. So sind wir gemeinsam fachkundig!

Dieser Aspekt wird in vielen Werbeaussagen für Online-Tools kaum erwähnt. Dort entsteht häufig der Eindruck, die Auswahl einer Tätigkeit und das Anklicken einiger Fragen genüge bereits, um eine rechtskonforme Gefährdungsbeurteilung zu erstellen.

Ein solcher Eindruck wird den gesetzlichen Anforderungen jedoch keinesfalls gerecht.


Warum eine Online-Gefährdungsbeurteilung Fachkunde nicht ersetzt

Moderne Arbeitsschutzsoftware ist aus vielen Unternehmen heute nicht mehr wegzudenken. Sie erleichtert die Organisation des Arbeitsschutzes erheblich und kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Maßnahmen systematisch zu dokumentieren und gesetzliche Pflichten im Blick zu behalten.

Gerade bei größeren Unternehmen mit mehreren Standorten wäre eine Verwaltung von Prüfungen, Unterweisungen, Maßnahmen oder Fristen ohne digitale Unterstützung kaum noch wirtschaftlich möglich.

Das kann Software bei der Gefährdungsbeurteilung leisten

Hier liegen die eigentlichen Stärken moderner Softwarelösungen. Sie können:

  • Informationen strukturieren,
  • Verantwortlichkeiten dokumentieren,
  • an wiederkehrende Aufgaben erinnern,
  • Transparenz schaffen und
  • die Zusammenarbeit zwischen Führungskräften, Fachkräften für Arbeitssicherheit und anderen Beteiligten erleichtern.

Problematisch wird es aus Sicht von KUECK Industries jedoch dort, wo der Eindruck entsteht, die Software selbst könne die fachliche Gefährdungsbeurteilung übernehmen. Denn genau an dieser Stelle stößt unserer Meinung nach jedes digitale System an seine Grenzen.

Was eine Online-Gefährdungsbeurteilung nicht automatisch erkennt

Ein Online-Tool erkennt nicht, dass eine Brandschutztür regelmäßig mit einem Keil offengehalten wird. Es bemerkt nicht, dass Beschäftigte aufgrund einer ungünstigen Raumakustik dauerhaft unter Konzentrationsproblemen leiden oder dass sich durch einen Umbau neue Verkehrswege mit erhöhtem Kollisionsrisiko ergeben haben.

Ebenso wenig erkennt eine Software beispielsweise:

  • Blendwirkungen durch tief stehende Sonne,
  • Zugluft an einzelnen Arbeitsplätzen oder
  • dass Beschäftigte Schutzeinrichtungen an Maschinen regelmäßig umgehen.

All diese Informationen entstehen ausschließlich durch die Betrachtung der tatsächlichen Arbeitsbedingungen vor Ort durch Sie und Ihre Fachexperten: die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte.

Sie ergeben sich aus Betriebsbegehungen, Gesprächen mit Beschäftigten, Beobachtungen von Arbeitsabläufen oder aus konkreten Messungen. Erst die fachliche Bewertung dieser Informationen macht aus einzelnen Beobachtungen eine Gefährdungsbeurteilung.


Eine digitale Gefährdungsbeurteilung muss Veränderungen berücksichtigen

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Arbeitsplätze verändern sich kontinuierlich. Maschinen werden modernisiert, Arbeitsabläufe angepasst, Räume umgebaut oder neue gesetzliche Anforderungen treten in Kraft.

Die Gefährdungsbeurteilung ist deshalb kein einmaliger Vorgang, sondern ein fortlaufender Verbesserungsprozess.

Auch hierbei kann Software wertvolle Unterstützung leisten. Sie kann beispielsweise:

  • Änderungen dokumentieren,
  • an Überprüfungen erinnern und
  • die Fortschreibung vorhandener Gefährdungsbeurteilungen erleichtern.

Die Entscheidung, welche Gefährdungen tatsächlich bestehen und welche Maßnahmen erforderlich sind, bleibt jedoch eine fachliche Aufgabe.

Tipp: KUECK Industries erstellt Gefährdungsbeurteilungen für Unternehmen. Weitere Informationen zu unserer Vorgehensweise und ausgewählten Referenzprojekten finden Sie auf unserer Seite Gefährdungsbeurteilung.


Online-Gefährdungsbeurteilung: Software ist Werkzeug, nicht Fachkompetenz

Letztlich verhält es sich mit einer Gefährdungsbeurteilung ähnlich wie mit einer medizinischen Diagnostik. Moderne Software kann Untersuchungsergebnisse dokumentieren, Laborwerte verwalten oder Befunde übersichtlich darstellen.

Die eigentliche Diagnose trifft dennoch die Ärztin oder der Arzt, weil hierfür medizinische Fachkunde erforderlich ist.

Im Arbeitsschutz ist es nicht anders: Digitale Werkzeuge unterstützen den Prozess. Die fachliche Bewertung übernehmen qualifizierte Menschen wie Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte.

Wer sich ausführlicher mit den Möglichkeiten und Grenzen von Software beschäftigen möchte, findet dazu auch unseren Beitrag „Gefährdungsbeurteilung Software: Die Gefährdungsbeurteilung von der Stange gibt es nicht!“. Dort betrachten wir insbesondere, warum standardisierte Gefährdungsbeurteilungen und Ampelsysteme die tatsächlichen Arbeitsbedingungen nicht automatisch abbilden können.


Fazit: Eine Online-Gefährdungsbeurteilung kann unterstützen – aber nicht ersetzen

Online-Tools und digitale Arbeitsschutzsoftware sind heute wertvolle Hilfsmittel für eine effiziente Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes. Sie erleichtern die Dokumentation, unterstützen bei der Maßnahmenverfolgung und schaffen Transparenz.

Eine rechtskonforme Gefährdungsbeurteilung entsteht dadurch jedoch nicht automatisch. Das Arbeitsschutzgesetz fordert die Ermittlung und Bewertung der tatsächlichen Arbeitsbedingungen. Die erforderliche Fachkunde muss entweder beim Arbeitgeber selbst vorhanden sein oder durch entsprechende Fachleute eingebracht werden.

Erst die Verbindung aus fachlicher Kompetenz, einer sorgfältigen Betrachtung der tatsächlichen Arbeitsbedingungen und einer strukturierten Dokumentation führt zu einer wirksamen und rechtskonformen Gefährdungsbeurteilung.

Software ist dabei ein wichtiges Werkzeug – sie ersetzt jedoch niemals die fachkundige Durchführung oder Begleitung des gesetzlichen Prozesses.

Sie benötigen eine Gefährdungsbeurteilung für Ihr Unternehmen? KUECK Industries erstellt Gefährdungsbeurteilungen für Unternehmen und berücksichtigt dabei die tatsächlichen Arbeitsbedingungen vor Ort. Sprechen Sie uns gerne an.

Wie setzen Sie digitale Tools bei der Gefährdungsbeurteilung ein? Nutzen Sie bereits eine Software oder haben Sie Erfahrungen mit Online-Gefährdungsbeurteilungen gesammelt? Schreiben Sie uns gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag.

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