Elektroinstallation an der Fassade: Was ist in Deutschland erlaubt?
Kabelbündel, frei verlegte Leitungen und Abzweigdosen an Gebäudefassaden: Was in manchen europäischen Städten zum Alltag gehört, wäre in Deutschland kritisch zu betrachten. Doch welche Vorschriften gelten für eine Elektroinstallation an der Fassade? Und wann wird die Kabelverlegung zum Sicherheitsrisiko?
Elektroinstallation an der Fassade: Ein Beispiel aus Europa
Das Bild wurde in einer europäischen Großstadt mit rund 380.000 Einwohnern aufgenommen. In dem rot umrandeten Bereich liegen entlang der gesamten, ca. 1,5 km langen Straße Kabelbäume auf den Fassaden. Teilweise gehen Abzweige in die Gebäude, teilweise über die Straße zu gegenüberliegenden Gebäuden. Abzweigdosen mit und ohne Abdeckung, Klebeband und vieles mehr ist dort zu finden.
Man kann das sehr kritisch betrachten und sich die Frage stellen, wie oft es dort schon gebrannt hat.
Vor Ort nachgefragt konnte niemand der Passanten darüber berichten, wann diese Installation schon mal irgendwo gebrannt hätte. Der örtliche Energieversorger oder Elektrofachbetriebe verlegen diese Kabel, wenn irgendwo Strom gebraucht wird.
Warum eine solche Elektroinstallation in Deutschland problematisch wäre
Würden wir eine solche Elektroinstallation in Deutschland antreffen, könnte das Gebäude bei erheblichen Sicherheitsmängeln möglicherweise sogar für die Nutzung ordnungsbehördlich gesperrt werden.
Denn zunächst käme der lokale Energieversorger wohl nicht auf die Idee, seine Stromversorgung so zu verlegen. Dafür gibt es Normen und Regeln, die einzuhalten sind.
Käme ein örtlicher Elektriker auf die Idee, das so zu machen, würde er vermutlich vom Energieversorger gestoppt werden. Denn der bestimmt nach einschlägigem Recht, wer nach welchen Regeln in seinem Netz an Elektroanlagen arbeiten darf. Er wird die Installation rechtskonform an die einschlägigen Regeln und Normen knüpfen.
Wenn die Elektroinstallation nach Meinung des Energieversorgers nicht regelkonform und im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich wäre, müsste der Stromanbieter im Zweifel das Gebäude vom Stromnetz nehmen. Darüber könnte er dann das Bauordnungsamt informieren.
Als Nächstes könnten das Bauordnungsamt und die Brandschutzdienststelle hinzugezogen werden. Die Brandschützer würden bei entsprechenden Sicherheitsmängeln möglicherweise eine erhebliche Brandgefahr feststellen. Zusammen mit einer abgeschalteten Energieversorgung könnte das Bauordnungsamt dann zu dem Ergebnis kommen, dass das Gebäude nicht mehr genutzt werden darf.
Dabei dürfte es übrigens unerheblich sein, ob es sich um ein Wohngebäude oder, wie hier im Bild, ein Wohn- und Geschäftshaus oder eine Gewerbeimmobilie handelt.
Elektroinstallation an der Fassade: Was gilt in Deutschland?
Die auf dem Bild gezeigte Installation – mehrere frei verlegte Leitungen, Abzweigkästen und Zähler-/Verteilerkästen an einer Gebäudefassade – wäre in Deutschland nicht grundsätzlich unzulässig. Entscheidend ist, wie sie ausgeführt wurde.
Nach deutschem Bau- und Elektrotechnikrecht gelten hierfür insbesondere folgende Anforderungen:
1. DIN VDE 0100 – Errichten von Niederspannungsanlagen
Die DIN VDE 0100 fordert unter anderem:
- Leitungen müssen gegen mechanische Beschädigungen geschützt sein.
- Die Verlegeart muss den Umgebungsbedingungen (UV-Strahlung, Feuchtigkeit, Temperatur) entsprechen.
- Leitungen dürfen nicht lose oder unkontrolliert geführt werden.
- Abzweigdosen und Betriebsmittel müssen für den Außeneinsatz geeignet sein (z. B. IP54, IP65 oder höher je nach Beanspruchung).
- Leitungen sind dauerhaft zu befestigen.
Auf dem Foto fallen insbesondere die frei verlaufenden Leitungsbündel auf. Diese wären nach deutschem Standard in dieser Form kaum akzeptabel.
2. DIN VDE 0100-520 – Auswahl und Errichtung von Kabel- und Leitungsanlagen
Diese Norm regelt die Leitungsführung. In Deutschland werden Außenleitungen üblicherweise:
- in Installationsrohren,
- in Kabelkanälen,
- auf Kabeltrassen oder
- sauber befestigt mit zugelassenen Schellen
verlegt.
Mehrere übereinanderliegende lose Kabelbündel wie auf dem Bild entsprechen nicht dem üblichen Stand der Technik.
3. Musterbauordnung und Landesbauordnungen
Gebäude müssen so errichtet werden, dass Sicherheit, Brandschutz und Verkehrssicherheit gewährleistet bleiben.
Außeninstallationen dürfen deshalb Fluchtwege nicht beeinträchtigen, keine Verletzungsgefahr darstellen und keine Brandlasten unnötig erhöhen.
Je nach Gebäude gelten zusätzlich die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) und die jeweilige Leitungsanlagen-Richtlinie (LAR) des Bundeslandes.
Kabelverlegung an der Fassade: Wie sieht eine fachgerechte Installation aus?
Nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik würde man erwarten:
- Leitungen weitgehend in Installationsrohren oder Kabelkanälen,
- geordnete senkrechte und waagerechte Leitungsführung,
- deutlich weniger sichtbare Leitungen,
- wettergeschützte Verteilerschränke,
- sauber befestigte Kabel,
- klare Trennung von Energie-, Steuer- und Kommunikationsleitungen,
- möglichst unauffällige Integration in die Fassade.
Entscheidend ist dabei nicht allein das Erscheinungsbild, sondern die Einhaltung der einschlägigen Regeln und Normen.
Die Elektrofachkräfte von KUECK Industries beraten Sie bei diesem Thema gerne. Sprechen Sie uns bitte an.
Fazit: Elektroinstallationen an der Fassade müssen den Vorschriften entsprechen
Eine Elektroinstallation an der Fassade ist in Deutschland nicht grundsätzlich unzulässig. Entscheidend ist, dass die Ausführung den geltenden Vorschriften und den anerkannten Regeln der Technik entspricht.
Insbesondere die DIN VDE 0100, die DIN VDE 0100-520 sowie die bauordnungsrechtlichen Anforderungen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Das gezeigte Beispiel verdeutlicht, wie unterschiedlich Elektroinstallationen ausgeführt werden können und warum eine fachkundige Beurteilung wichtig ist.
Was denken Sie? Haben Sie ähnliche Elektroinstallationen im In- oder Ausland gesehen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne in den Kommentaren unter diesem Beitrag.

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